Showcase: Wie ein Konflikt um eine ausständige Honorarnote in 4 Sitzungen gelöst werden konnte

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Johannes Priebsch

Johannes Priebsch

Mediator & Partner bei geschlichtet!
Mediator in Wien. Schwerpunkte Behindertengleichstellung, Start-Ups und Wirtschaftsmediation. Auf Deutsch, Italienisch und Englisch.
Johannes Priebsch

(Foto: Shutterstock)

 

Neulich wandte sich eine Jungunternehmerin aus dem Kreativbereich an uns. Es gab Streit mit einem Kunden, der die Honorarnote nicht zahlen wollte. Er hatte die Grafiken bereits erhalten und wollte nur 50% des vereinbarten Preises zahlen. Aufgrund mangelnder Qualität und Lieferverzug, wie er sagte. Nach Zahlungsaufforderungen per E-Mail, die ohne Antwort geblieben waren, war der Konflikt per Telefon eskaliert. Nach weiteren erfolglosen Klärungsversuchen bat die Unternehmerin um eine Aussprache im Beisein eines Mediators von geschlichtet!

Beide Parteien kamen also in die Kanzlei: Die Arbeitsvereinbarung war schnell geklärt. Nur beim vorletzten Punkt, der Kostenaufteilung, entbrannte eine wilde Diskussion darüber, wessen Schuld der Konflikt sei. Erst die Frage des Mediators, ob nicht sowieso die Rechtsschutzversicherung die Kosten übernehmen würde, brachte Bewegung in die verfahrene Situation.

Da beide Medianten nicht sicher waren, ob und in welchem Ausmaß ihre Versicherungen für Mediation aufkommen würden, klärten sie diese Fragen zuerst mit ihrem Versicherungsberater.

Zum Folgetreffen kamen beide Medianten mit der guten Nachricht, dass ihre RSV für die Mediationskosten aufkommen würden und die Kunden selbst entscheiden konnten, bei welchem Mediator sie die Mediation machen wollten. Nun konnte der inhaltliche Teil der Mediation starten.

Nacheinander nannten die Medianten Themen, wie Liefertermin, Qualität, Wertschätzung der Arbeit, Vertragssicherheit, Weiterempfehlung, Rechnungen bezahlen und Reputation.

Schnell wurde klar, dass für die Jungunternehmerin mehr als nur das entgangene Honorar auf dem Spiel stand. Ein offener Streit mit einem ihrer ersten Kunden würde sich auch sehr negativ auf die Weiterempfehlungs-Rate auswirken. Dem Kunden dagegen ging es mehr um Respekt und Vertrags-Sicherheit, als um den zu zahlenden Betrag an sich.

Im weiteren Sitzungsverlauf wurde genauer erörtert, wie es zum späteren Liefertermin gekommen war und was der Kunde unter Qualität der Arbeit verstanden hatte. Er drückte auch seine Zufriedenheit über das Engagement der Jungunternehmerin aus; hatte sich allerdings höher aufgelöste Graphiken erwartet und ein professionelleres Design erwartet.

Um dies zu konkretisieren, vereinbarten die Medianten, dass der Kunde eine Beispiel-Grafik mitnehmen sollte. In der nächsten Sitzung kam der Kunde mit 3 Beispielen von anderen Unternehmen.

Die Grafikerin hatte nun eine gute Vorlage, anhand derer sie besser arbeiten konnte. 2 Wochen später hatte sie auch schon gute und hochauflösende Vorschläge parat. Damit stand dem vollen Honorar und auch der Weiterempfehlung nichts mehr im Wege.

Nach Unterschreiben der Vereinbarung waren beide Seiten froh, sich für die Mediation entschieden zu haben und mit win-win aus dem Konflikt ausgestiegen zu sein. Der Kunde bekam die Leistung, die er wollte, und die Reputation der Graphikerin war nicht beschädigt.

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