Pendel-Mediation oder was, wenn die Parteien nicht mehr miteinander reden?

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Was ist eine Pendel-Mediation und wann sollte man sie einsetzen? Gar nicht selten ist der Konflikt soweit eskaliert, dass die Parteien nicht mehr miteinander sprechen (können, wollen, sollten). In diesen, wie auch in anderen Fällen bietet sich eine sogenannte Pendel-Mediation an. Dabei führt der Mediator separate Einzelgespräche mit den Medianten. Diese Dialoge werden räumlich und zeitlich getrennt geführt. Der Mediator vermittelt dabei zwischen den Parteien und führt eine Lösung herbei.

Im folgenden Beitrag versuche ich einige Fragen zu beantworten, welche von Kunden und Interessenten zur Pendel-Mediation immer wieder gestellt werden. Um die Unterschiede zwischen einer Pendel- und einer (klassischen) Mediation besser herauszustreichen, wird Zweitere im Folgenden als ‚Präsenz-Mediation’ (iSv Anwesenheit aller Beteiligten) bezeichnet.

1. Frage: In welchen Fällen sollten wir eine Pendel-Mediation in Anspruch nehmen?
2. Frage: Wie kommt es zu einer Pendel-Mediation bzw wie startet das?
3. Frage: Müssen wir uns irgendwann persönlich treffen oder kann die Pendel-Mediation auch anders beendet werden?
4. Frage: Welche sind die Nachteile einer Pendel-Mediation?
5. Frage: Zu wem gehe ich, wenn ich eine Pendel-Mediation möchte?
6. Frage: Dauert eine Pendel-Mediation kürzer oder länger als eine Präsenz-Mediation?
7. Frage: Ist eine Pendel-Mediation nicht ungewöhnlich?
8. Frage: Ist eine Pendel-Mediation günstiger oder teurer?
9. Frage: Gibt es bei der Pendel-Mediation Unterschiede beim Honorar?

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In welchen Fällen sollten wir eine Pendel-Mediation in Anspruch nehmen?

a) Die Medianten können sich nicht mehr sehen. Der Klassiker (Anwendungsfall 1 für eine Pendel-Mediation)

Die Betroffenen spüren in aller Regel instinktiv, wenn der Rubikon überschritten ist. Kunden, die sich in solchen Situationen befinden, formulieren das ganz unumwunden in der Art von „Ich ertrage dieses Gesicht einfach nicht mehr.“ Wenn zB persönliche Aufeinandertreffen regelmäßig zu lautstarken, beleidigenden Auseinandersetzungen führen oder wenn der E-Mail-Krieg schon meterlange, farbenfrohe Mails produziert hat. Mit den Waffen Rufzeichen und Emoticons. Dort wo man sich schon weitgehend von der Sachebene verabschiedet hat und persönliche Animositäten tumorartig wuchern. Man findet dies in allen Lebenslagen, sei es in der Familie, unter Nachbarn, in Management-Ebenen oder in Vereinen. Ist ein gewisser Punkt erreicht, dann wollen und können die Parteien zunächst einfach nicht miteinander in einem Raum sitzen. Und sie wollen trotzdem eine außergerichtliche Einigung erzielen bzw diese zumindest versuchen. Um in solchen – gar nicht seltenen Fällen – eine außergerichtliche Lösung zu finden, greifen die Betroffenen gerne zur Pendel-Mediation. Und sie erzielen ganz gute Erfolge damit.

b) Schwierige gemeinsame Terminfindung (Anwendungsfall 2 für eine Pendel-Mediation)

Sind die Parteien räumlich weiter voneinander getrennt, bietet sich neben der Online-Mediation auch die Pendel-Mediation an. Dasselbe gilt, wenn bedingt durch Beruf oder Kinder ein gemeinsamer Termin der Medianten schwer zu finden ist. Der Vorteil der Pendelmediation für solche Fälle liegt darin, dass die Pendel-Mediation häufig telefonisch durchgeführt wird. Zwar bietet sich bei einer räumlichen Distanz eine Online-Mediation an, doch ist nicht jedermann gleich affin wenn es um Skype & Co geht. Fallen Arbeitszeiten auseinander (zB Nachtdienste), dann hilft auch die Online-Mediation nicht weiter. In Fällen einer zeitlichen Dissonanz findet der Mediator schneller separate Termine mit den einzelnen Medianten (Ihr Mediator schläft nie, müssen Sie wissen).

c) Geringer Streitwert. Der häufigste Fall (Anwendungsfall 3 für eine Pendel-Mediation)

Geht es beim Streit allein ums Geld (zB unbezahlte Honorarnoten) und handelt es sich um geringere Beträge (unter 2.000€), dann schießt eine Präsenz-Mediation (so wie eine Klage) oft übers Ziel hinaus. Man triebe zuviel Aufwand im Verhältnis zum gewünschten Ergebnis, doch gleichzeitig nagen diese Konflikte an den Betroffenen und rauben ihnen den Schlaf. Der (Pendel-)Mediator ist darin geschult, rasch und in wenigen Telefonaten eine einvernehmliche, außergerichtliche Lösung herbeizuführen. Meist gelingt dies schon - zur Überraschung der Kunden - in 1-2 Tagen. Pendel-Mediationen bezüglich geringer Beträge sind der häufigste Anwendungsfall bei mir. Es wird dazu in Kürze einen eigenen Blog-Beitrag geben.

Wie kommt es zu einer Pendel-Mediation bzw wie startet das?

Man kann mit einer Pendel-Mediation auf Kundenwunsch beginnen; es muss bloß für alle Betroffenen ok sein. Das heißt, manchmal wird eine Präsenz-Mediation durch eine Pendel-Mediation eingeleitet und man schaut einmal, wie sich das entwickelt. Zunächst klärt der Mediator mit den Parteien in Einzelgesprächen (Caucus, mehr dazu hier) unter anderem die jeweiligen Standpunkte und Verhandlungspositionen ab. Erst im weiteren Verlauf kann es, sofern beide dies wünschen, zu einem persönlichen Zusammentreffen der Parteien beim Mediator kommen.

Eine Pendel-Mediation kann auch während einer Präsenz-Mediation eingesetzt werden. zB um eine sich beschleunigende Abwärts-Spirale in den Gesprächen zu unterbrechen oder stockende Gespräche wieder in Gang zu bringen. Das bedeutet, eine Präsenz-Mediation kann als Pendel-Mediation in Form eines Caucus fortgesetzt werden. Wenn es zu einer solchen Unterbrechung in einer Präsenz-Mediation kommt, mag man vom Unvermögen des Mediators sprechen. Ist es doch unter anderem seine Aufgabe, einen geschützten Rahmen zu gewährleisten und seinen erlernten Fähigkeiten solchen Auswüchsen entgegenzuwirken. Soviel zur Theorie.

Drittens werden Mediationen allgemein oft als Pendel-Mediation eingeleitet. Die Mediation wird überhaupt erst dadurch angebahnt. Dies ist der Fall, wenn eine Partei an uns herantritt und darum ersucht, die andere Partei zur Mediation einzuladen (Relais = Weiterleitung von Mediations-Anfragen). Auch das ist eine Form des Pendelns. Der Mediator schickt diese Informationen an die andere Partei und ersucht um Rückmeldung, ob auch diese an einer mediativen, einvernehmlichen Lösung des Konflikts Interesse hat.


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Müssen wir uns irgendwann persönlich treffen oder kann die Mediation auch anders beendet werden?

Aus meiner Erfahrung ist zu differenzieren, ob die Streitparteien weiterhin zueinander in einer Beziehung stehen werden oder eben nicht. In aller Regel ist dies bei Familien, in der Arbeit oder in Vereinen gegeben. Es macht in einem solchen Umfeld wenig Sinn, die Mediation als Pendel-Mediation zu beenden, selbst wenn man eine Lösung erzielt hat. Der Grund ist, dass diese Personen sich im ‚wirklichen’ Leben wieder begegnen werden, sie werden wieder in bestimmten Angelegenheiten aufeinandertreffen, und sind eventuell sogar voneinander abhängig.

Bei Konflikten um geringfügige Streitwerte (siehe oben), ist das meist anders. Der Klient zB kommt nie wieder zu diesem Steuerberater, der Kunde wird diesen Grafiker nie wieder beauftragen bzw wird der Steuerberater oder Grafiker nie wieder ein Mandat dieses Kunden annehmen. Diese Personen gehen künftig getrennte Wege. In diesen Fällen kann eine Pendel-Mediation auch ohne persönliches Aufeinandertreffen – ohne Präsenz-Modus - beendet werden. Und in vielen Fällen ist dies auch besser so.

Was sind die Nachteile einer Pendel-Mediation?

Wo viel Licht, da auch Schatten. Ich sehe die Nachteile einer Pendel-Mediation vor allem in folgenden 3 Aspekten.

Erstens fallen in einer Pendel-Mediation leicht wesentliche Erfolgs-Faktoren einer Mediation aus. Also, das was eine Mediation erst zu einer nachhaltigen Konfliktlösung macht, fehlt ein wenig. Eine Präsenz-Mediation holt weiter aus und schürft tiefer (siehe Ablauf einer Mediation für Details). Auch wenn dies vermutlich kein ‚Pendel-Mediator’ der Welt zugeben würde: eine ausreichende Beleuchtung der Bedürfnisse, eventuell Ängste und Wünsche, das Verständnis der anderen Position und vor allem die Transparenz (‚alles auf den Tisch’) treten in einer reinen Pendel-Mediation zugunsten der raschen Lösung häufig in den Hintergrund.

Zweitens hinterlassen vertrauliche Einzelgespräche immer einen säuerlichen Nachgeschmack der Heimlichtuerei bei der anderen Streitpartei. Man kann dem als Mediator zwar entgegenwirken (siehe hier), aber gänzlich ausräumen kann man das wohl nie.

Drittens besteht eine Gefahr darin, dass sich der Mediator zum Boten diverser Nachrichten einspannen lässt. Davon hat nun keiner der Beteiligten etwas (außer der Mediator vielleicht, da er nach Aufwand bezahlt wird). Gefällt sich der Mediator in der Rolle als lupenrein-braver Bote, wird schwerlich ein gemeinsames Ziel definiert, geschweige denn ein solches Ziel erreicht werden können. Ein Ping-Pong-Mediator, der so einer Sache nicht gewachsen ist und sich im Kreis schicken lässt, sollte von einer Pendel-Mediation Abstand nehmen. Bleibt bloß die Frage offen: wer ist schon so ehrlich zu sich selbst?

Zu wem gehe ich, wenn ich eine Pendel-Mediation möchte?

Die richtige Antwort auf diese Frage ist naheliegend; nämlich zB zum Autor dieses Artikels, denn der hat sich auf die Pendel-Mediation spezialisiert 😉 Meines Wissens bieten sämtliche Partner von geschlichtet! die Pendel-Mediation an. Bei den Partnern sind Sie mindestens so gut aufgehoben, wie beim Autor des Artikels. Einfach anrufen und fragen. Hier finden Sie unsere Partner.

Dauert eine Pendel-Mediation kürzer oder länger als eine Präsenz-Mediation?

Eine wissenschaftlich einigermaßen fundierte Antwort lässt sich auf diese Frage natürlich nicht geben. Nach meinem subjektiven Empfinden gelangt die Pendel-Mediation weit rascher zu einem Ergebnis.

Dies dürfte zunächst an den Konflikten selbst liegen. Sehr häufig handelt es sich um Streitereien um kleinere Beträge (siehe oben). Diese sind in einer Pendel-Mediation gelöst, bevor in es bei einer Präsenz-Mediation überhaupt zu einem Erst-Termin gekommen ist. Außerdem kommen die Gespräche schneller zustande. Ein Termin zu zweit findet sich einfach rascher als ein Termin zu dritt. Und, wie bereits ausgeführt, finden Pendel-Mediationen häufig am Telefon statt. Drittens sind die Gespräche viel fokussierter auf das vorgegebene Konflikt-Thema. In aller Regel wird weniger weit ausgeholt als bei einer Präsenz-Mediation (siehe oben bei den Nachteilen einer Pendel-Mediation).

Ist eine Pendel-Mediation nicht ungewöhnlich?

In Österreich wahrscheinlich. Zumindest gibt es noch immer ein Nase-Rümpfen, vor allem unter jenen Trainern, die ihre Zeit mit Mediations-Lehrtätigkeit anstatt Mediations-Praxis füllen. Im anglo-amerikanischen Raum dagegen ist die Pendel-Mediation usus. Die Kunden sind sehr zufrieden. Sie ersparen sich Zeit, Geld und lösen ihre Konflikte effizient und geräuschlos. In Österreich scheint Vieles ungewöhnlich (zB dass es ohne Pflichtmitgliedschaft in Kammern geht), was in anderen Ländern ganz großartig funktioniert. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken.

Ist eine Pendel-Mediation günstiger oder teurer?

Zwar scheint eine Pendelmediation in abstracto umständlich (zuerst da hin, dann dorthin) und damit aufwändiger und teurer, doch ich wage zu behaupten: die Pendelmediation ist in den allermeisten Fällen günstiger. Dass hängt mit dem bisher Gesagtem zusammen: In einer Pendelmediation wird in aller Regel mehr telefoniert. Nicht unbedingt ausschließlich, aber doch. Daher fällt die Miete für die Räumlichkeiten weg. Auch für Kunden fallen Anfahrts- und Abfahrtszeiten weg. Weiters holt die Pendelmediation meist weniger weit aus (siehe oben bei den Nachteilen) und ist dadurch zeitlich straffer geführt.

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Gibt es bei der Pendel-Mediation Unterschiede beim Honorar?

Das ist abhängig von Ihrer Vereinbarung mit dem Mediator. Bei mir gibt es zB die Möglichkeit, dass jeder Mediant nur jene Stunden bezahlt, die ich tatsächlich mit ihm aufgewandt habe. Es kommt damit nicht, wie sonst üblich, zu einer 50:50 Kostenteilung, sondern jeder bezahlt den Aufwand den ich mit ihm hatte. Der finanzielle Vorteil (für den Medianten, aber auch für die Konfliktlösung insgesamt) ist, dass je flüssiger die Gespräche mit ihm laufen, umso günstiger wird es für den Medianten. Bremst der andere die Verhandlungen und verkompliziert die Angelegenheit, so muss der konstruktive Mediant dafür nicht aufkommen.

Fazit

Wie sich aus der Darstellung ergibt, bin ich persönlich ein begeisterter Pendel-Mediator. Darin bin ich auch gut. Bislang konnte ich noch jede einzelne Pendelmediation mit Erfolg abschließen. Gleichzeitig muss man vor Verallgemeinerungen im Konfliktmanagement warnen. Die Pendelmediation hat auch ihre Nachteile. Viele Mediatoren in Österreich lehnen sie ab und einige Kunden sind besser in einer Präsenz-Mediation aufgehoben. Für mich als Mediator (mit meinem Radiogesicht) ist sie die optimale Methode. Wenn Sie interessiert sind, freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme.

(Foto: Shutterstock)

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