Interview mit unserem Partner Werner Danda zur Wirtschaftsmediation

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Werner Danda

Werner Danda

Partner & Mediator bei geschlichtet!
Mediator in Oberösterreich mit Schwerpunkten in der Wirtschaftsmediation und öffentlicher Sektor.
Werner Danda

Ein spannendes Berufsleben, eine anspruchsvolle, vielfältige Wirtschaftsumgebung? 

Es ist mir die Gelegenheit in Erinnerung das Handwerkzeug lernen zu dürfen auf ein betriebliches Miteinander, eigenverantwortliches Handeln innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens zu achten. Diese „berühmte“ Kunden- Lieferantenbeziehungen in allen Lebenssituationen und Aufgaben sind nicht selbstverständlich. Ich habe die Unterschiedlichkeit schätzen gelernt. Der Einsatz und die Zusammenarbeit sind und waren unvergleichlich!

Was hat Dein berufliches Arbeitsleben geprägt? Was ist Dir wichtig in Erinnerung geblieben?

Meine besonderen betrieblichen Aufgaben, die ich in Österreich, Südosteuropa, Deutschland selbst und im weltweiten medizinischen Anlagenbau mitgestalten durfte, haben mir viele Beziehungen mit unterschiedlichsten Charakteren – alles wertvolle Menschen – ermöglicht. In der Vielfalt der Ereignisse und den offen dargestellten Bedürfnissen und individuellen Interessen der Partner war „das trennende Recht haben“ oder das „gerichtliche Streiten“ eher die Ausnahme.

Ein plötzliches, schweres gesundheitliches Ereignis haben mich vor einigen Jahren aus der wirklich spannenden Routine geworfen.

Heute kann ich sinnstiftend als Geschäfts- Projektbegleiter und Mediator in Unternehmungen, wie auch im öffentlichen Bereich mithelfen, dass die Menschen wieder eigenverantwortlich ihre Konflikte, ihre Probleme gemeinsam lösen. Dadurch können sie besser ihre Beziehungen Aufrecht erhalten, zusammen bleiben und über lange Zeit gegenseitig „Wert schaffend“ nutzen.

Wo bist Du zu Hause? Wie ist Dein wirtschaftliches Umfeld?

Ich bin im Innviertel in Oberösterreich zu Hause, zwischen Braunau und Salzburg, an der deutschen Grenze zu Niederbayern. Heute eines der besonders starken, wirtschaftlichen Entwicklungsgebiete, wo es bereits viele international, erfolgreiche Unternehmen gibt und sich nach wie vor weitere ansiedeln. Viele davon mit hoher technischer Expertise und hohen Produktanforderungen.

Ich helfe mit diese wohl einmalige Gelegenheit dazu zu nutzen, Fachbereiche (Know How) nachhaltig abzusichern, das Leben in der Region durch individuelle Mitbeteiligung attraktiv für die Menschen zu machen. Das gelingt dort besonders gut, wenn die Mitarbeiter sowohl im Betrieb als auch in den Gemeinden aktiv, selbst-verantwortlich eingebunden sind. So kann die Region zukünftig für seine besondere Gesprächskultur, dem verantwortlichen Miteinander stehen und dadurch seinen Lebenswert erhöhen.

Was hat Dich zu „geschlichtet!“ gebracht?

Mit „geschlichtet! habe ich Partner, Kollegen gefunden, die auch erkannt haben, dass ihr Beitrag darin besteht, den Klienten die Wirkung, den Nutzen, die Vorteile eines mediativen Umfeldes zu erkennen. Mediation wird dadurch nicht zu einer besonderen Dienstleistung oder Verhaltensdogma für sich, sondern eher der notwendige, begleitende Rahmen, das sichere Umfeld, für solche beteiligenden, wertschätzende Prozesse.

Wann ist für Dich eine Beziehung im betrieblichen Umfeld gut aufgestellt?

Wenn ich das Gefühl habe, ich bin auf Augenhöhe, ich bin ernst genommen mit meinen Beiträgen in meiner Aufgabe, es herrscht dadurch ein respektvoller, wertschätzender Umgang miteinander. Das heißt, der Kollege die Kollegin im Fachbereich, der Vorgesetzte, der Projektpartner intern wie außen, der Kunde, der Lieferant. Sie gehen offen und fair mit Einwänden und Interessen um. Sie hören zu, um den Beitrag zu verstehen, stellen ihre eigenen Interessen, Bedürfnisse daneben, erklären die Auswirkungen dazu. Damit kann sich eine faire, gemeinsam getragene Lösung entwickeln. So kann Zusammenarbeit nachhaltig, über lange Strecken funktionieren. Unterschiede anerkannt, wie auch verstanden werden. Unter diesen Voraussetzungen sind auch gemeinsam Lösungen möglich.

Sind es die anspruchsvollen Unternehmensziele, die solche Beziehungen so schwer machen?

In der Vergangenheit sind wir durch das ständige wachsende Umfeld unaufmerksam geworden. Die Möglichkeiten der steigernden Mengeneffekte durch Produktvielfalt, durch regionale Erweiterungen durch immer größer werdende Unternehmenseinheiten sind begrenzt.

Die rational, meist gut nachvollziehbaren Richtungen, die standardisierbaren Veränderungen haben dank scheinbar unbegrenzter personeller und finanzieller Ressourcen den Menschen viele seiner eigenen Bedürfnisse vergessen lassen.

Es haben alle mitgemacht, ihre Gemeinsamkeit war der wirtschaftliche Erfolg und damit auch die persönliche, existentielle Entwicklung.

Heute ist der gemeinsame Erfolg noch immer möglich nur der Weg dorthin ist komplexer, oft neu.

Wie kann das dann gehen?

Da braucht es eben das Wissen aller Betroffenen und weniger die Routine oberer Entscheidungsträger. Alte Gewohnheiten funktionieren immer schlechter. Für das Neue braucht es Vertrauen und Zuversicht für eine Kreativität, die nicht mit der Kontrolle alter Systeme für eine zukünftig mögliche Welt zu erzeugen ist.

Doch das Wachstum hat sich verschoben, der Kuchen wird kleiner, technisch, regional, global verschoben?

Heute können die schon nahezu perfekten Systeme aus Marktforschung, Standardisierung und Normen, Geldwirtschaft nicht mehr das gesamte Wohl absichern. Unsere Zusammenarbeit in den Betrieben ist oft auf das alleinige Abarbeiten von Checklisten reduziert, die immer öfter die vermeintliche Sicherheit zum Erfolg verfehlen? Die Aufgaben werden immer komplexer die machbaren Lösungen immer schwieriger.

Die betriebwirtschaftlichen Abhängigkeiten schaffen Parallelwelten, die dem Betriebsklima nicht gut tun. Das Delegieren auf die Schultern Weniger überfordert die Kräfte der einzelnen Verantwortlichen und verhindert mögliche, Lösungen von hohem, nachhaltigem Wert.

Was fehlt hier? Wo liegen die Chancen?

Das riesige Potential, die „Schwarmintelligenz“, das Wissen aller Menschen im Betrieb bleibt durch ungeklärte Konflikte, Existenzängste, mangelndes Vertrauen zueinander „brach liegen“ und führen leider oft damit zur innere Kündigung und kann nicht mehr genutzt werden. Das können wir uns heute nicht mehr leisten!

Wo können wir beispielhaft ansetzen, beginnen?

Es müssen mehr Projekte erfolgreich zu Ende geführt werden. Studien zeigen, dass etwa 70 % aller initiierten Projekte innerhalb von 3 Jahren ohne Ergebnis gestoppt oder erheblich verändert werden.

Die Mitarbeiter finden immer weniger Möglichkeit sich selbst einzubringen. Die Eigenverantwortlichkeit wurde in den vergangenen Jahren immer mehr auf scheinbar verlässliche Systeme, Standards, Kontrollmechanismen, Berater, Repräsentanten unserer Interessen übertragen. Wie wir sehen reicht dass nicht mehr aus.

Hier geht es weniger darum die Gründe oder Schuldigen herauszufinden, als vielmehr die Machbarkeit und die mögliche Wirkung der angesetzten Projekte gemeinsam mit den Zuständigen, an der Umsetzung Beteiligten, durchzugehen, Widerstände und Chancen aufzuzeigen, mögliche neue Voraussetzungen gemeinsam zu erarbeiten und damit wieder in Fahrt zu bringen.

Sind Projekte so nicht darstellbar sind sie umgehend einzustellen und die gebundenen Ressourcen auf die verbleibenden Aufgaben zu verteilen.

Die dann wieder frei werdenden Kräfte werden überraschen und die Belastung, vor allem der Leistungsträger, werden weniger.

Wie soll das gelingen?

Hier ist es sicher vorrangig die bestehenden Widerstände, wertfrei zu erkunden und hinzuhören, wo die verordneten Abläufe, Projekte in den Unternehmen, die Erwartungen bei den eigenen Mitarbeitern, meist auch bei den Kunden Unverständnis und damit Konflikte hinterlassen.

Zuerst muss einmal die Notwendigkeit erkannt sein, das Bewusstsein zu den Auswirkungen darüber entwickelt sein. Dann wird ein Dialog darüber im Unternehmen auf „Augenhöhe“ möglich,. Dann werden Widerstände und vor allem deren Auswirkungen offen angesprochen, können Konflikte zu weiteren Eskalationen beseitigt werden.

Eine sensible, heikle Aufgabe, die ein hohes Vertrauen auch von der Führungsspitze und den Eigentümern braucht. Das Vertrauen kann man nicht verordnen, sondern nur erlangen. Haben die Menschen im gesamten Unternehmen das erkannt, bleibt es nicht nur ein Projekt, sondern eine grundlegende Haltung des Miteinanders, werden alle erstaunt sein, welche Herausforderungen und vermeintliche Engpässe überwunden und vollverantwortlich mitgetragen werden.

Wie unterstützt mediative Kommunikation oder Mediation dabei?

Wir lernen wieder mit den beteiligenden Werkzeugen selbst Alle in die Lösung ihrer Probleme und Konflikte einzubinden. Der Mediator von außen begleitet neutral, allparteilich diesen Prozess. Er achtet auf die zuvor gemeinsam vereinbarten Gesprächsregeln und unterstützt mit entsprechenden Interventionen die Abläufe in der gemeinsamen Erkundung der Themen.

Hinterfragt bei den Betroffenen, ob zum dargestellten Thema, zum gemeinsamen Lösungsansatz noch zusätzliche Personen einbezogen werden sollen, die es zur Verabschiedung der nächsten Lösungsschritte unbedingt braucht.

Warum ein Begleiter / Mediator von außen?

Anfangs kann die Sorge über die Ernsthaftigkeit eines solchen Prozesses noch nicht da sein, da ist es besser und Vertrauen stärkend, wenn ein neutraler, professionell geschulter Mediator mit entsprechender Berufserfahrung, mit Bezug zum Thema, diesen Prozess in Gang bringt.

Im Gegensatz zur Moderation, Schlichtung oder Coaching gibt es keine Vorschläge zur Lösung (Inhalt), sondern nur zum Lösungsprozess. Der Mediator weiß, wie der eigenverantwortliche Weg zur Lösungsentwicklung aller Beteiligter im Ablauf gefördert werden kann.

Es braucht jedoch die volle Unterstützung und persönliche Beteiligung von „Oben“ zum offenen Ergebnis und volle Verschwiegenheit außerhalb des Prozesses. Er berichtet auch nicht über den Verlauf dieser Sitzungen.

Nach einiger Zeit können die betriebsinternen Anwender zu eigenen Praktikern und somit zu Vorbildern der beteiligenden Unternehmenspraxis werden. In besonderen Peergruppen – Entwicklungsprogrammen, „Train the Trainer“ Programmen hat geschlichtet! weitere Ausbildungsangebote.

Was können die beteiligten Menschen mit dieser Haltung bewirken?

Die Menschen lernen wieder selbst die Verantwortung mitzutragen. So werden sie vom variabel verfügbaren selbstverständlichen Humankapital wieder zu individuellen Leistungsträgern, die alle ihre Identität und Zusammengehörigkeit gemeinsam für den Weg in die Zukunft einbringen. In hunderten Kleinbetrieben oder auch wenigen Großbetrieben wird das seit Jahren vorgelebt. Oft geht es ja gar nicht anders, da müssen sich die Menschen aufeinander verlassen.

Sie fühlen sich auf Augenhöhe wieder als voll beteiligte und wertgeschätzte Mitgestalter eines Unternehmens, das selbst seinen Markt und seine Kunden verstehen muss, wenn es eine wirtschaftliche Grundlage haben will. Diese Grundlage ermöglicht auch den Menschen im Betrieb selbst ihre eigene Existenz aufzubauen und zu entwickeln. Damit sind sie untrennbar mit dem Bestand des Unternehmens im Markt verbunden und am Erfolg selbst interessiert.

Was können die Betriebe gewinnen?

Die Untenehmen, die sich entschieden haben diesen wertvollen Weg zu gehen, brauchen auch immer weniger „materielle Pflaster“, die nur kurzfristig wirken, die Mitarbeiter mehr trennen als motivieren.

Die Jahresmitarbeitergespräche zum Beispiel, dienen nicht mehr der Rechtfertigung von Zielvereinbarungsprämien, sondern dienen der gegenseitigen Reflexion, wie die Zusammenarbeit, die Erreichung der gemeinsam vereinbarten Vorhaben leichter werden kann.

Der Mensch als „Schwarm“ hat zusammen ein gutes Gefühl, was möglich ist oder nicht. Wenn er diese Erfahrungen, des gegenseitigen Respekts und Verstehens der individuellen Bedürfnisse, dazu gehört auch unsere Familie, erkennt, dann werden sie wieder Freude und Agilität in die Arbeit mitbringen. Der Betriebserfolg wird verlässlich eigenverantwortlich verfolgt und mitgetragen.

Das klingt interessant für mich, wie können die Interessenten mehr erfahren?

Sie können vorab die Schwerpunktthemen auf unserer Homepage „geschlichtet!“ durchgehen und dann ein unverbindliches, kostenfreies Erst-Kennenlerngespräch vereinbaren. Sie kontaktieren mich in meiner Region, auf meiner Partnerseite www.geschlichtet/werner.danda/ direkt. Ich melde mich dann bei den Menschen und stimme einen Termin für ein klärendes Gespräch ab.

Danke für das Gespräch.

 

Beitragsbild: Robert Kneschke / Shutterstock

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