Der Wildwuchs der Judikatur – und die mögliche Lösung einer Mediation

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Peter Kubesch

Peter Kubesch

Wirtschaftsmediator bei geschlichtet!
Mag. Peter Kubesch, CMC ist Wirtschaftsmediator. Er spricht fließend Deutsch, Englisch und Französisch.
Peter Kubesch

 Auch im juristischen Bereich gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Nach der zu empfehlenden Lektüre des im eingefügten Link ersichtlichen Artikels in „Die Presse“ dürfen wir Ihnen, geschätzte Leserschaft, die Sicht der Mediatoren zu diesem Fall näherbringen. Link:  Der Wildwuchs der Judikatur bei einer Scheidung

Wie konnte so etwas passieren?

Die Antwort und Empfehlung von Frau Prof. Deixler-Hübner  ist aus unserer Sicht unzureichend. Das Erstellen eines Ehevertrages ist zweifellos sinnvoll und hilfreich. Ein Ehevertrag wird auch in einem Großteil der Scheidungsfälle zweckvolle Dienste leisten. Doch anzunehmen, dass mit einem Ehevertrag alle Probleme aus der Welt geschafft sind, ist zu optimistisch.

Der beste Ehevertrag kann nicht alle künftigen Eventualitäten vorsehen. Schon gar nicht können Gerichtsurteile prognostiziert werden und mit ein wenig Pech führen diese Urteile zu skurrilen Ergebnissen, wie man im Beitrag von Fr. Prof. Deixler-Hübner  sieht und den sie als „Wildwuchs der Judikatur“ bezeichnet (Zitat Deixler).

In diesem Scheidungsverfahren waren offenbar sehr gute und zahlreiche Anwälte engagiert worden – von beiden Seiten. Doch dies garantiert noch lange nicht, dass auch mit sehr guten Anwälten und mit tatsächlich enormen Summen für Anwaltskosten (es stehen hier mind. € 500.000.—im Raum) der Prozess deswegen gewonnen werden kann.

Beide Seiten waren sich offenbar sicher, diesen Prozess zu gewinnen. Da aber für gewöhnlich nur einer gewinnt und daraus resultierend ein anderer verliert, steht es 50:50. Mit einem Mindesteinsatz von € 500.000.— nur für die Rechtsanwälte.

Wie die Entscheidung im Scheidungsverfahren selbst letztendlich ausfällt, weiß niemand. Es besteht nach wie vor für beide Parteien ein hohes Risiko, dass nicht nur die € 500.000.— verloren sind, sondern auch ein hohes Vermögen, was in diesem Fall wohl vorhanden sein muss. ½ Mio Euro nimmt niemand für Rechtsanwaltskosten in die Hand, wenn das aufzuteilende Vermögen nicht im Millionenbereich ist.

Wieso gehen also Streitparteien, in diesem Fall Ehepartner, einen so aufwändigen, riskanten, nervenaufreibenden und destruktiven Weg, der letztendlich beide zu Verlierern macht? Aus Angst nicht alles probiert zu haben? Aus Unwissenheit über andere Möglichkeiten der Streitbeilegung? Durch das Drängen der Anwälte?

Was soll der Kunde tun, damit so etwas doch nicht passiert?

In Fällen wie diesen, aber auch in vielen anderen Konfliktfällen, gibt es eine wesentlich bessere Lösung, die nachhaltig wirkt, eine einvernehmliche Streitbeilegung erzeugt, vergleichsweise rasch und günstig ist: Die Mediation.

In einem Mediationsverfahren wäre dieser Fall sicherlich ein herausfordernde Aufgabe. Als Hypothese nehme ich an, dass das Ehepaar sehr zerstritten gewesen sein dürfte, sonst hätte es nicht bis zum OGH durchprozessiert. Selbst wenn eine Mediation in diesem Fall 10 Halbtagssitzungen mit zwei Mediatoren benötigt hätte um ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis zu erreichen, wären in diesem Fall ca. € 20.000.— an Mediationskosten angefallen.

Wenn die oben erwähnten € 500.000.— ins Spiel gekommen sind, damit nur einer der beiden Parteien ein gegen ihn geführtes Scheidungs- bzw. Unterhaltsverfahren bezahlen kann, dann braucht man nur Mathematik der Vorschule um fest zu stellen, was wohl die kostengünstigere Lösung gewesen wäre. Mediation hat die Aufgabe, wie erwähnt, eine nachhaltige und einvernehmliche Lösung zu erzielen.

Meines Erachtens ist eine bedeutende Auswirkung der Mediation auch jene, Ressourcen optimal einzusetzen. Seien dies emotionale Ressourcen der Betroffenen, die Ressource Zeit und die monetäre Ressource. Hier stehen mindestens € 500.000.— gegen € 20.000.–. Mediation rechnet sich!

Wir bei geschlichtet! haben eine Erfolgsrate von 90%. 9 von 10 Fällen werden erfolgreich abgeschlossen. Ohne (Höchst-)Richter. Eine Einigung ist möglich!

(Foto: Shutterstock)

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