Das Meisterkonzept

1020
0
Teilen:
markus-holub-mediation

Gibt es die Möglichkeit den Ausgang zu beeinflussen, also auf legalem Weg? Natürlich kann man nur mutmaßen wer den Sieg erringen wird, da ja jeder Teilnehmer die Chance hat die begehrte Trophäe zu gewinnen. Ein Erfolgsfaktor von Fußball ist ja die Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse, da der Verlauf eines Spieles durchaus auch mit Glück zu tun hat. Ein überraschendes Tor, oder die Fehlentscheidung eines Schiedsrichters kann ein Spiel zugunsten eines Außenseiters kippen.

Neben Glück sind Faktoren des Erfolges Geld, Heterogenität einer Mannschaft, der Trainer, Umfeld des Vereins (Funktionäre), Fanverhalten, und vieles mehr. Manche Faktoren können beeinflusst werden. Auch den Faktor Glück kann man ja bekanntlich zwingen.

In Reflexion mit einigen Größen aus dem Bereich der österreichischen Fußballszene wurde das Konzept durchdacht und folgende Fakten herausgearbeitet.

Ein vielversprechendes Erfolgskonzept, welches in vielen anderen Branchen bereits funktioniert und welches wunderbarst auf den Fußball übertragen werden kann ist die Supervision. Aus drei Definitionsansatzpunkten konnte eine kurze, aber prägnante Kerndefinition für die Anwendung der Supervision im Sport herausgearbeitet werden:

• Supervision ist Beratung nach Methode.
• Sie dient zur Optimierung beruflicher Prozesse.
• Beziehungen werden durch mehrperspektivische Betrachtung, systematisch analysiert und reflektiert.
• Supervision hat Interventionscharakter
• Supervision soll präventiv eingesetzt werden

Im Zentrum dieses Konzepts steht der Mensch in seiner Ganzheit, also Körper Seele und sein Geist. Er nimmt durch seine Sinne wahr, interagiert, beziehungsweise beeinflusst mit seinem Leib seine Umwelt und umgekehrt. Diese Prozesse werden unter anderem in der Supervision sichtbar und bewusst gemacht.

Mögliche Aufgabengebiete der Supervision im Spitzensport können sein:

• Reflexion der Spiele im Team (kausal Attribution)
• Einzelsupervision mit Schlüsselspieler
• Coaching des Trainers: Reflexion des Verhaltens auf der Trainerbank und im Training in Form von Einzelsupervision
• Einbindung der Supervision schon in die Ausbildung bei Akademien

Gründe für den Misserfolg sind mannigfaltig. Streitigkeiten im Team, Trainer, oder Vereinsmitglieder haben Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit.

Diesen Herausforderungen kann man durch Verbesserung der Kommunikation vorbeugen und so Konflux fördern. Fließende Zusammenarbeit, also der Konflux mit Mitarbeitern aller Ebenen, ist laut Petzold der wichtigste Faktor für Produktivität, Innovation, Qualität, beziehungsweise Arbeitszufriedenheit. Das Ziel ist persönliche Kompetenzen und Potenziale von Führungskräften zu schulen um reflexives Management zu erlernen. Führungsstil, Kommunikationsverhalten, Kritik und Konfliktfähigkeit, Risikobereitschaft, Entscheidungswille, Umgang mit Macht und Verantwortung werden bei Seminaren reflektiert, um neue Perspektiven zu gewinnen. Die Veränderungen waren selbst bei kurzer Seminardauer nach innen, also der Effekt auf die Mitarbeiter und nach außen, zum Beispiel auf die Kunden, spürbar. Ich habe schon von einigen Spielern gehört, dass der Umgang des Trainers mit Spielern nicht immer optimal ist. Dadurch würde sich Fehlverhalten verringern. Das wäre zum Beispiel eine gute Möglichkeit Supervision in einem Verein zu implementieren.

Alexander Elstner, selbst Mentaltrainer und Spartentrainer, meint dazu wir brauchen Typen im diesem Sport. Ohne Förderung wird man jedoch nicht zum „Typen“, also keine Persönlichkeit. Auch hier gibt es ein erprobtes Konzept aus dem Bereich Supervision. Das Konzept der persönlichen Souveränität „schließt mehrere Konzepte der integrativen Supervision mit ein und ist somit ein zentrales Konzept. Neben verschiedenen Theorien wie die des Leib Subjektes (es wurde weiter oben im Text schon erwähnt), Gesellschaft und Ethik gehören auch Grundkonzepte wie Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein zum Konzept der persönlichen Souveränität. Um diese Souveränität zu erlangen muss der Mensch bereit sein sich mit seiner eigenen Lebenswelt, mit seiner eigenen Tiefe auseinanderzusetzen, sich kennen und steuern lernen. Das nennt Petzold die innere Souveränität. „Selbstanalyse erfordert reflexive, ko-reflexive und metareflexive Auseinandersetzung mit seinen eigenen Gedanken. Auch die Erkundung der persönlichen Emotionen, Motivationen und Volitionen spielt eine große Rolle. Hinzu kommt die Fähigkeit zur Kontrolle der Motivationen. Gerade in einem so emotionsgeladenen Spiel, wie Fußball wären die Kontrolle der Emotionen und das Wissen um die eigene Motivation gewinnbringend für Spieler und Vereine. Petzold meint dabei nicht eine sich selbst unterdrückende Kontrolle, sondern vielmehr eine Sorge um sich selbst. Auch die Fähigkeit sich selbst zu reflektieren und Fehler, die im Spiel passieren objektiv zu betrachten, führen zu Lernprozessen. Ausreden für verlorene Spiele wie die Schuhe, oder Platzverhältnisse sind schuld an der Niederlage, kommen seltener vor. Spiele können auf diese Weise sachlich analysiert und Fehlerquellen erkannt und vermieden werden. Damit wird eine Basis geschaffen, die es erlaubt, sich besser auf das nächste Spiel vorzubereiten und aus vorangegangenen Spielen zu lernen. So wird nicht nur der einzelne Spieler souveräner in seiner Performanz, sondern laut Baumann das gesamte Team, da sich die Mitkonkurrenten am Stärksten orientieren. Dadurch wird die innere Souveränität auch nach außen getragen, oder sogar übertragen. Es soll das Anliegen eines jeden Spielers sein, mit Freude Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Damit öffnet sich auch die Welt zum Anderen, also zum Team, Trainer, oder Umfeld. Das ist in weiterer Folge ein guter Nährboden für ein förderliches Miteinander und wertschätzender Kollegialität.

Zu diesem Thema meinte Dr. Martin Mayer meinte dazu: „Diese Felder sind von der Sportpsychologie gut abgedeckt“. Dazu hat der Sportpsychologe Alexander Schneider jedoch eine andere Meinung. Er würde sich über Unterstützung in Form von Supervision freuen, da er dann mehr Zeit hätte sich um einzelne Spieler zu kümmern, um therapeutisch zu arbeiten. Jedoch stellen die Vereine für die Persönlichkeitsentwicklung kaum Ressourcen zur Verfügung.

Herr Dr. Martin Mayer bestätigt jedoch die mögliche Einbindung der Supervision zusätzlich zur Sportpsychologie: “Damals als der Trainer vermehrt Einzelgespräche führte, wurde die Austria Meister!“ Ob das Supervision war, entzieht sich meiner Kenntnis. Der damalige Trainer Peter Stöger ist nun erfolgreich beim 1.FC Köln. Dr. Martin Mayer mittlerweile in der Serie A.

Im Sinne der Nachwuchsspieler wäre Supervision in der Ausbildung ein großer Gewinn für die spätere Karriere und eine Bereicherung für den beliebtesten Sport der Welt. Das sieht auch Mario Kienast, selbst Trainer und Mentaltrainer in Salzburg, so.

Jedoch eignet sich nicht jeder Supervisor für dieses spezielle Feld. Um bestehen zu können braucht man eine hohe Fachkompetenz, verbale Schlagfertigkeit, viel Humor, hohe Flexibilität, Methoden-, Medienvielfalt, beziehungsweise Empathie und Offenheit. Der Supervisor kommt von außen, also ist kein Vereinsmitglied und damit schon suspekt. Um das Vertrauen der Mannschaft zu gewinnen braucht es Zeit und Geduld. Darauf werden sich nur zukunftsorientierte Vereine auch einlassen, die ihren Spielern nachhaltig etwas auf den Lebensweg mitgeben wollen. Der Dank für den finanziellen Einsatz werden sehr gute Leistungen auf dem Spielfeld sein und somit auch Erfolg bringen.

Literatur: Desmond, Morris.(1981). Das Spiel. Faszination und Ritual des Fußballspiels. München: Droemersche Verlagsanstalt Dietl M. Helmut, Hasan Tariq, Korthals Jan Peter. ( 2005). Ein Modell zur Prognose des sportlichen Erfolgs in der Fußball-Bundesliga. Stuttgart: Lucius & Lucius Verlag Jahn Ronny. (2008). Der blinde Fleck im Spitzensport .Zur soziologischen Begründung der Supervision und ihrer Anwendung im Leistungssport. :Kenzingen. Centaurus Petzold, Hilarion. Integrative Supervision, Meta-Consulting, Organisationsentwicklung. (2007) Wiesbaden: VS Verlag Beringer, Tobias. (2008). Erfassung von Ursachenzuschreibungen im Sport . Eine empirische Analyse dargestellt am Beispiel von Einzel- und Mannschaftssportarten. Saarbrücken: VDM Publiziert 08/16 in ÖVS Zeitschrift für Supervisoren

Markus Holub

Markus Holub

Mediator & Partner bei geschlichtet!
Markus Holub ist Mediator für Schulen, Sport und Kirchen. Er ist vorwiegend in Wien und Niederösterreich tätig.
Markus Holub

Letzte Artikel von Markus Holub (Alle anzeigen)

Teilen: