Wer war Bosman?

309
0
Teilen:
Sportmediation

Wir schreiben das Jahr 1990. Ein unbekannter belgischer Profifußballspieler reicht Klage bei einem belgischen Gericht ein.

Sein Verein der FC Lüttich hat einen Transfer nach Frankreich verhindert, weil die damals übliche Ablösesumme zu hoch angesetzt wurde. Der Verein konnte eine Ablöse verlangen und das obwohl sein Vertrag mit seinem Club schon ausgelaufen war.

Er sah sein Recht auf freie Arbeitsplatzwahl eingeschränkt und klagte auf Schadensersatz.
Das belgische Gericht entschied, dass der Spieler aufgrund der Sachlage ablösefrei zu einem französischen Zweitligisten wechseln darf.

Der belgische Verband ging in Berufung. Das Urteil wurde im Dezember 1990 bestätigt und Bosman konnte nun frei wechseln. Die belgischen Richter berieten sich mit dem Gericht der europäischen Union. Es ging um die Regelung der freien Arbeitsplatzwahl innerhalb der EU.

In Brüssel sah man sich jedoch für den Sport nicht zuständig. Erst im Juni 1995 befasste man sich dann mit den Schadenersatzansprüchen eines Herrn Bosman. Da ist eine Karriere eigentlich auch schon wieder so gut wie vorbei.
FIFA und UEFA protestierten gegen diese Verhandlung schriftlich. Die mächtigen Herren wollten das Gericht in ihrem Interesse beeinflussen.
Am 15.12.2005 kam nun das Urteil. Das Medieninteresse war enorm.

Fußballspieler gelten ab diesem Zeitpunkt als normale Arbeitnehmer. Neben der freien Wahl des Arbeitsplatzes gelten nun auch andere arbeitsrechtliche Bestimmungen im Profisport, wie kollektive Verträge usw.…

Endet ein Vertrag mit einem Spieler dürfen keine Ablösesummen gefordert werden.
Wie geht man heute in der Praxis damit um?

Die Vereine halten sich sehr penibel an diese Bestimmungen. Verträge werden nun rechtzeitig vor dem Ablauf neu verhandelt. Das gibt für beide Seiten mehr Sicherheit. Spitzenspieler werden nun auf sehr lange Zeit an einen Verein gebunden.

Dadurch wurde der Transferwahn wie es um Spieler wie Neymar, Mbappe` und viele andere Spieler erst möglich. Die Spieler wurden für astronomische Summen gehandelt. Die Medien bezeichnen dies oft als modernen und legalen Menschenhandel.

Eine Mannschaft kann aus Spielern verschiedener Länder bestehen. Es gab Ligaspiele in Österreich und Deutschland ohne einen einzigen Vertreter aus dem Land in dem gespielt wurde. Stimmen gegen diese Regelung wurden laut, da man Angst hatte der heimische Fußball würde darunter leiden. In Österreich gibt es nun eine Bonuszahlung für Vereine, die auf österreichische Talente bauen. Somit werden sie auch gerne eingesetzt.

Nicht nur der Fußball wurde dadurch verändert. In anderen Sportarten wie zum Beispiel Eishockey wurden Spieler aus aller Welt für Europa geholt. Plötzlich standen hochkarätige Spieler aus Nordamerika am Eis und befeuerten die Qualität des Spiels. Immer mehr Zuschauer drängen in die Hallen und das Medieninteresse steigt dadurch. Auch im Handball ist dieses Phänomen spürbar.

Trotz der sehr klaren Regeln, gibt es jedoch immer wieder Streitigkeiten mit Verträgen und Ablösesummen.
Da wird manchmal auf die Karriere und das Wohl der Spieler, bzw. Spielerinnen vergessen.



 

Titelbild: Dragon Images / Shutterstock

Markus Holub

Markus Holub

Mediator & Partner bei geschlichtet!
Markus Holub ist Mediator für Schulen, Sport und Kirchen. Er ist vorwiegend in Wien und Niederösterreich tätig.
Markus Holub

Letzte Artikel von Markus Holub (Alle anzeigen)

Teilen:

Hinterlassen sie eine Antwort