Interview mit Patrick Slaje, Gründer von geschlichtet

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Redaktion: Warum dieses Unternehmen?

Patrick: vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der beschrieb, wie noch vor rund 150 Jahren sich die Leute duelliert haben. Auch eine Form der Konfliktlösung. Man liest das heute mit ungläubigem Kopfschütteln. Unsere Kinder werden mit dem selben ungläubigem Kopfschütteln lesen, dass im Jahre 2015 rund 800.000 Fälle vor den österreichischen Bezirksgerichten ausgetragen wurden. Sie werden uns fragen: wie konnte man nur so unfähig sein, sich außergerichtlich zu einigen? Ist doch günstiger und schneller.

Redaktion: Und was ist ihre Antwort?

Patrick: Ganz einfach. Es gab lange keine überzeugende Alternative. Ich werde meinen Kindern wohl sagen: man kannte nichts anderes. Man ging einfach ohne viel nachzudenken zu einem Anwalt, zu einer Berufsvertretung etc. Die haben dann im Namen des Mandanten den Streit ausgetragen.

Redaktion: Was macht geschlichtet! besser?

Patrick: Kunden kommen aus unterschiedlichen Gründen zu uns. Meistens wollen sie eine zukunftsfähige Vereinbarung. ZB Geschäftspartner oder Gesellschafter, die eigentlich weiter miteinander arbeiten wollen (oder müssen). Nachbarn, die auch weiterhin Nachbarn bleiben werden. Scheidungswillige oder bereits geschiedene Eltern, die über ihre Kinder verbunden bleiben. Geschwister, die trotz nicht zufriedenstellendem Erbe weiterhin gemeinsam Weihnachten feiern möchten. Die Liste ist lange. Aber gemeinsam haben alle diese Kunden: es macht wenig Sinn Vergangenes juristisch zu sezieren. Wichtig für sie ist, die Zukunft besser zu gestalten. Deshalb kommen sie zu uns.

Redaktion: Das ist alles?

Patrick: Daneben spielen auch Zeit und Geld eine Rolle. Ein monatelanges Geplänkel hilft keiner der Streitparteien. Sie brauchen rasch und unbürokratisch eine Lösung. Immer wichtiger wird auch das Prozess-Risiko – wer weiß schon, wie das Gericht entscheidet? Und, bei Institutionen die in der Öffentlichkeit stehen, die Diskretion. Was bei uns besprochen wird, bleibt vertraulich. Das gibt den Parteien Sicherheit und ramponiert das Image in der Öffentlichkeit nicht.

Redaktion: Was macht geschlichtet! zu etwas Besonderem?

Patrick: Die Partner der Kanzlei sind auf Schwerpunkte spezialisiert. Jeder Partner hat ein paar wenige Themen, in denen er oder sie echte Expertise besitzt. Das schätzen unsere Kunden; selbst wenn der Mediator selbst keine Lösungsvorschläge bringt. Die Kunden wollen Profis im jeweiligen Fachbereich und die bekommen sie bei uns. Außerdem bauen wir sehr stark den Bereich der Fremdsprachen aus. Derzeit bieten wir Mediationen in 6 Sprachen an. Das werden künftig mehr werden.

Redaktion: Wie geht es weiter?

Patrick: Wir bauen die Schwerpunkte und das Sprachangebot behutsam, aber konsequent aus. Gleichzeitig müssen wir uns verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit widmen. Am Ende einer langen Reise wird Mediation so selbstverständlich sein, wie der Kauf eines Buches bei Amazon. Und genauso einfach. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

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