Interview mit Johannes Priebsch

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Profilbild Johannes Priebsch

Interview mit Johannes Priebsch, Mediator & Partner bei geschlichtet!

Was bringt einen Programmierer zur Mediation?

Das Interesse für den Menschen.

Ich bin in der ersten Generation der Digital-Natives aufgewachsen. Ich beschäftige mich also seit 25 Jahren mit Computern. Zuerst habe ich damit gespielt, dann Betriebssysteme darauf installiert und de-installiert und schließlich angefangen, sie selbst zu programmieren. Ich habe Telematik studiert und dann als Softwareentwickler gearbeitet: Die Softwareentwicklung ist eine interessante Welt, die sich immer weiterentwickelt: Es gibt immer neue Herausforderungen und man lernt nie aus.

Trotzdem wollte ich irgendwann wieder zurück zum Menschen kommen und der Einsamkeit vor dem Bildschirm entfliehen. Ich habe es nicht ganz geschafft. (lacht)

Was meinst Du damit?

Ich entwickle nebenbei eine App. Es handelt sich um einen digitalen Flipchart-Ersatz. Interaktiv, ökologisch, leicht transportierbar und vergleichsweise günstig. Und das Wichtigste: Eine Möglichkeit für Menschen mit Schreibschwierigkeiten und/oder Klaue live einen Prozess zu moderieren. Doch das ist eine andere Geschichte.

Zurück zur Mediation. Was hat dich zur Mediation gebracht?

Ich habe während meiner Zeit als Angestellter erlebt, dass Missverständnisse in Unternehmen an der Tagesordnung stehen. Sie werden oft aus Angst vor Konflikten nicht angesprochen: Daran ist bemerkenswert, dass der Konflikt zu diesem Zeitpunkt bereits besteht.
Was mir gefehlt hat, war eine Person, die solche Themen unvoreingenommen anspricht und mit den Beteiligten zu einer Lösung bringt. Das würde Geld, Zeit und Nerven sparen.

Stattdessen stecken alle den Kopf in den Sand und lächeln sich gegenseitig in der Früh an – in der Hoffnung den Anderen bis zum Ende des Tages nicht mehr zu begegnen.

Was sollten sie stattdessen tun?

Die Verantwortlichen aus der HR sollten in solchen Fällen einen externen Mediator rufen. Dieser kann den Konflikt aus neutraler Sicht mit allen Beteiligten durchsprechen und geeignete Methoden zur Lösungsfindung anleiten.

Was viele vergessen, ist, dass dadurch nicht nur der eine Konflikt gelöst wird, sondern sich dadurch auch das gegenseitige Verständnis und damit die weitere Zusammenarbeit verbessern würden.

Warum bist Du zu geschlichtet! gekommen?

Ich war, seit ich mit Mediation angefangen habe, auf der Suche nach einem Team oder einer Praxisgemeinschaft. Das Konzept von geschlichtet! mit fachlichen Schwerpunkten und einem großen Sprachangebot hat mich dann gleich überzeugt!

Wie bist Du auf die Idee gekommen Mediationen auf Italienisch anzubieten?

Ich habe 2 Jahre in Italien gelebt und währenddessen sehr gut Italienisch gelernt. Und nicht nur das, ich fühle mich Italien und den Italienern kulturell verbunden.

In einem anderen Land mit anderer Sprache und Kultur zu Leben ist an sich schon eine Herausforderung. Dann auch noch Konflikte in der fremden Sprache zu bewältigen und Missverständnisse zu klären gelingt nicht immer. Da möchte ich ansetzen und Konfliktlösung in der Muttersprache anbieten.

Du machst auch Mediationen bei Behindertengleichstellungsfragen. Was ist dein Bezug dazu?

Ich habe selbst seit meiner Geburt eine, wenn auch von aussen nicht sichtbare, körperliche Einschränkung: Mein Dünndarm ist ein Drittel so lang wie der eines “normalen” Menschen. Das bringt Probleme im Alltag mit sich und kann auch zu Folgeerkrankungen aufgrund des veränderten Stoffwechsels führen.

Spätestens seit meine Feinmotorik und durch sie mein Sprachrhythmus in Mitleidenschaft gezogen wurden, wurde meine Behinderung auch von aussen sichtbar und für mich als Behinderung spürbar.

Wieso kannst gerade Du bei Behindertengleichstellungsfragen vermitteln?

Ich lebe seit über 30 Jahren damit, behindert zu sein: Ich habe unzählige Untersuchungen über mich ergehen lassen und kenne mehr Spitäler von innen als mir lieb ist.

Ich habe selbst Mobbing erlebt und bin Tag für Tag damit konfrontiert, anders zu sein. Gerade beim Thema Behindertengleichstellung ist es wichtig, tagtäglich mit den besonderen Herausforderungen der Betroffenen konfrontiert zu sein, um sie nachvollziehen zu können.

Wie gehst Du selbst mit deiner Behinderung um?

Die Paralympics-Athleten sind für mich ein großes Vorbild! Auch wenn ich bei Weitem nicht an deren Leistungen herankomme, versuche ich alles mir mögliche zu tun, um eine Verbesserung meines Zustands zu erreichen und sportlich aktiv zu bleiben.

Was sind deine besonderen Fähigkeiten als Mediator?

Ich bin ein offener und ehrlicher Mensch, der sich gerne die Meinungen aller Parteien anhört, bevor er weitere Aktionen setzt. Meine Behinderung hat mich besonders sensibel für Menschen und deren Interessen und Bedürfnisse gemacht. Nicht zuletzt habe ich die Fähigkeit Menschen zu begeistern. Zum Beispiel für Mediation und Konfliktlösung. 😉

Wir danken für das Gespräch!

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