Interview: Herbert Hametner über Berufliche Assistenz (Teil 1)

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Johannes Priebsch

Johannes Priebsch

Mediator & Partner bei geschlichtet!
Mediator in Wien. Schwerpunkte Behindertengleichstellung, Start-Ups und Wirtschaftsmediation. Auf Deutsch, Italienisch und Englisch.
Johannes Priebsch

Erfahren Sie von DSA Hametner mehr über das Netzwerk Berufliche Assistenz und die Angebote des Blinden- und Sehbehindertenverbands. Aber auch von den ersten Schritten und Fehlern die man im Umgang mit sehbehinderten Menschen so machen kann. Wie Inklusion im Arbeitsalltag funktioniert und was Jugendcoaching bedeutet. Was ein GdB von 100% in der Praxis bedeutet und warum es für die Gesellschaft wichtig ist, Barrieren abzubauen. Wie sich die „Blindenberufe“ verändert haben und was einen blinden Studenten und Jeanne d’Arc verbindet.

Chance genützt

Wir befinden uns hier im Louis Braille Haus in Ihrem Büro. Louis Braille ist ja bekanntlich Erfinder der Braille-Schrift. Wie sind Sie ins Louis-Braille-Haus gekommen? Hatten sie davor schon Erlebnisse mit Menschen mit Sehbehinderung gehabt?

Ich bin gelernter Sozialarbeiter und habe zuvor in anderen Bereichen gearbeitet. Einmal hatte ich die Chance mit einem blinden Mann in einem Projekt zusammenarbeiten. Dieser Mann hat mich persönlich sehr fasziniert. Er war sehr selbstständig, selbstbewusst und handwerklich geschickt. Bei diesem Projekt haben wir gemeinsam eine Wand aufgestellt. Er hatte eine komplette Ausstattung dabei, d.h. Maßband, Wasserwaage, und alles komplett blindentauglich.

Dieser Mann hat mich fasziniert. Mit ihm habe ich dann auch meine ersten Schritte gemacht und damit auch die ersten Fehler die man so machen kann: Also zum Beispiel, dass man einen Blinden beim Rausgehen fragt, „soll ich Dir das Licht einschalten“. Also ganz ganz dumme Fehler, die mir so jetzt natürlich nicht mehr passieren.

Er ist aber so locker mit diesen Dingen umgegangen – auf eine humorvolle Art und Weise – dass ich nicht einmal beschämt war. Sondern, dass ich es auch lustig gefunden habe, wie er reagiert hat. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Von meiner Ausbildung habe ich natürlich gewusst, wie man mit Menschen arbeitet, und worauf man aufpassen muss.

Das Erlebnis mit diesem blinden Mann war mein Zugang zu blinden Menschen. Ich habe dann über einen Studienkollegen erfahren, dass hier ein Job frei ist, habe mich beworben und hatte eben das Glück genommen zu werden. Das war im Jahr 2000, also ich bin schon relativ lange im Haus. Nächsten März sind es 17 Jahre!

Und ich lerne trotzdem immer wieder noch was dazu. Die Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen ist ein Thema, das mich nach wie vor sehr interessiert. Mir wird also nicht langweilig: man lernt immer was dazu, man wechselt Ansichten. Und auch die Gesellschaft ändert sich, weil sich Hilfsmittel und Situationen ändern: Das ist ein schöner Fluss.

Politisch korrekt

… aber wie gestaltet sich das in der Praxis? Könnten Sie ein Beispiel nennen.

Was heute im Alltag ständig diskutiert wird: Wie muss man politisch korrekt sprechen. In unserer Organisation heißt das einfach Sehbehinderung und Blindheit. Es gibt manche Menschen, die dem auch ausweichen. Die sagen dann “Menschen mit besonderen Bedürfnissen” oder was auch immer, um nur politisch korrekt zu sein. Ich denke, um diese Dinge geht es da gar nicht. Ich denke es geht da um eine natürliche Sprache, die wichtig ist im Alltag.

Und wenn man Fehler macht, oder jemand sich beleidigt fühlt, ist es wichtig da auch eine Rückmeldung zu bekommen. Es ist zum Beispiel ok, Dinge zu Blinden zu sagen, wie “schau einmal” oder “wir sehen uns morgen”. Diese ganze Alltagssprache eben. Wir haben da überhaupt kein Problem, und in der Regel auch blinde Menschen nicht! Wenn sie ein Problem damit haben, haben sie mit ihrer Erkrankung oder ihrer Situation ein Problem, aber nicht, weil der Andere etwas so gesagt hat.


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Berufliche Assistenz

Sie arbeiten als Projektleiter beim Netzwerk berufliche Assistenz, worum geht es da? was ist Ihre Aufgabe?

Bei beruflicher Assistenz in ihrer ursprünglichen Form, geht es um Arbeitsassistenz. Das heisst, Menschen, die eine Behinderung haben, darin zu unterstützen, dass sie eine Arbeit oder eine Ausbildung finden und Erfahrungen sammeln können. So hat das damals in den 90er Jahren in Österreich begonnen.

Also das ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Darüber hinaus sorgen wir auch dafür, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben. Ein Beispiel: Wenn sich aufgrund einer Augenerkrankung die Sehkraft kontinuierlich verschlechtert, dann kann man deswegen vielleicht nicht mehr alle Aufgabengebiete so erfüllen, wie bisher.

Dann stellen sich meistens folgende Fragen: „Kann man den Arbeitsplatz so beibehalten? Kann man die Arbeitsplatz-Beschreibung ändern? Kann man vielleicht die Situation mit Hilfsmitteln verbessern oder kompensieren? Oder kann man die Tätigkeit anders gestalten? Können vielleicht manche bisherige Aufgaben andere Kollegen übernehmen, während die Person stattdessen auch etwas anderes übernimmt? Kann die Firma durch Lohnkosten-Zuschüsse unterstützt werden, um eine Minderleistung auszugleichen?“

Technische Assistenz

Wir haben 2001 gemerkt, dass Hilfsmittel wirklich ganz wichtig sind. Deswegen hat dann das Sozialministeriumservice (damals Bundessozialamt) ein eigenes Projekt dafür gestartet. Nämlich die Technikassistenz (technische Assistenz). Dabei haben wir die Möglichkeit bekommen, Arbeitsplätze zu begutachten und zu sehen, wie man diese geeignet ausstattet. Wir sind als Verband auch die Gutachtenstelle der Behörde.

Diese Gutachtenstelle arbeitet im Peer-Counseling-Prinzip: Ein blinder und ein nicht-sehbehinderter Gutachter begutachten da Arbeitsplätze oder private Ausstattungen und melden dann der Behörde zurück: „ja, das ist wichtig, das braucht der Antragsteller oder die Antragstellerin, oder da wäre sie überfordert“. Aber auch: „das kommt erst später, oder da wäre vorher eine Schulung im Umgang mit einem Hilfsmittel nötig. Vielleicht braucht man noch eine bessere Beleuchtung!“

Blinde und sehbehinderte Technikassistenten beraten dabei blinde und sehbehinderte Menschen, die einen Arbeitsplatz suchen, oder zu Hause Hilfsmittel benötigen.

Inklusion im Arbeitsalltag

Geht es dabei also darum, sowohl Barrieren in bestehenden Arbeitsverhältnissen abzubauen als auch Inklusion dahingehend zu fördern, dass man blinde und sehbehinderte Menschen aus der Ausbildung oder vom AMS auf den Arbeitsmarkt bringt?

Ja genau. Wenn wir zu arbeiten beginnen, hat das nicht nur den Aspekt, dass die Mitarbeiter das Stellenprofil erfüllen, sondern auch, dass sie im sozialen Gefüge zurechtzukommen. Da gilt es manchmal auch Barrieren abzubauen. 

Ich hatte da zum Beispiel einmal einen sehbehinderten Mann, der im Empfangsbereich zu arbeiten begonnen hat. Für diesen Job wurde damals  ausdrücklich ein sehbehinderter Mann von Personalleitung, Betriebsrat und anderen Stellen gewünscht. Nicht aber von den unmittelbaren Kolleginnen: Das war anfänglich ein Problem. Diese wurden nämlich nicht ausreichend informiert.

Die Kolleginnen hatten die Befürchtung, da kommt jetzt jemand, der sieht nichts, und soll uns unterstützen. Die Conclusio war: wir haben noch mehr Arbeit als vorher und wir bekommen nicht die Unterstützung, die wir eigentlich wollten. Da war es dann meine Aufgabe, diese Ängste ernst zu nehmen, da sie vom Unternehmen anscheinend unterschätzt worden waren. Es galt herauszufinden, wo die Ängste liegen, was die Befürchtungen waren, aber auch zu klären, was sich die zukünftigen Kollegen unter Sehbehinderung überhaupt vorstellten?

Sehbehinderung hat ein breites Spektrum: von komplett unauffällig – dass niemand etwas merkt, weil der Sehbehinderte das so gut kompensiert – bis hin zu vollblind. Das ist dann offensichtlich! Dieser Mann hatte jedoch noch ein sehr gutes Sehvermögen.

Wir haben dann einen Probetag ausgemacht, an dem seine Kollegen dann gesehen haben, dass er ganz selbstständig war. Er brauchte zwar da und dort Unterstützung und hatte eben sein Lesegerät (als Hilfsmittel), sprach aber ganz normal, und hatte Familie und Kinder (wie sie auch).

Dadurch, dass wir die Ängste auch ernst genommen haben – das ist eben ganz wichtig – haben wir relativ schnell die Barrieren abgebaut und eine Akzeptanz des Neuen herstellen können.

„Der neue Kollege…“

Wie kann man da sehenden Menschen helfen, sich das besser vorstellen zu können?

Wir haben da einen Koffer mit Simulationsbrillen, um sie einmal in die Rolle reinschlüpfen zu lassen. Dadurch können sie erfahren, „wie gehts dem?“. Wir haben damit die Möglichkeit zu zeigen, „der neue Kollege sieht so“. Das ist zum Beispiel anstrengend (für ihn), aber auch beeindruckend was die Person (trotzdem) leistet. Das fördert dann die Akzeptanz und auch den Einstieg in die Firma ungemein.

Nimmt die Hilfsbereitschaft von Seiten der Kollegen manchmal auch überhand?

Wir hatten einmal einen blinden Telefonisten, dem haben sie jeden Tag in der Früh den Tee gebracht. Seine Kollegen haben ihm auch sonst irrsinnig viel abgenommen. Das war natürlich völlig kontraproduktiv mit der Zeit: der hat sich dann zurückgelehnt und nicht mehr bemüht an seinen Englisch-Kenntnissen zu feilen, um auch englische Calls anzunehmen. Das nahm ihm sowieso eine Kollegin ab.

Gerade bei Kollegen, die da sehr fürsorglich sind und das übernehmen, kann die Situation dann kippen. Soweit, dass es nach einiger Zeit tatsächlich hoch eskaliert war. Dann hat uns die Firma gerufen und hat gesagt wir sollen da schauen, dass wir den Arbeitsplatz sichern. Aber der war zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr zu sichern.

Davon abgesehen hat dieser blinde Telefonist wirklich schon lange als Telefonist gearbeitet gehabt. Es war der klassische Fall: er hat in den 70er/80er-Jahren die Schule gemacht. Damals gab es (für blinde und Sehbehinderte) nicht die vielen Berufsmöglichkeiten die es heute gibt. Dieser Mann war nach 20-25 Jahren in dieser Tätigkeit so unterfordert, dass er auch nicht mehr wollte. Es war für ihn nur auch schon zu spät mit der Bereitschaft etwas anderes zu lernen.

„Blindenberufe“

Wie haben sich die sogenannten „Blindenberufe“ verändert?

Blinde und Sehbehinderte können mittlerweile – auch durch die technischen Hilfsmittel – viel mehr machen und selbständiger sein. Damit können sie viele Berufe ausüben, die sie früher nicht ausüben konnten. Früher gab es eine Hand voll Berufe, die man sich aussuchen konnte, wenn man von der Blindenschule gekommen ist: Masseur, Telefonist, Phonotypist, Korb- und Möbelflechter und das wars dann schon. Typische Blindenberufe, wie es sie bei allen Behinderungen gibt. Berufe die man sein Leben lang ausüben muss, und noch dazu froh sein sie zu haben.

Wie ist das jetzt, wo der durchschnittliche Mitarbeiter schon alle 2 Jahre den Job wechselt?

Es ist eine schöne Entwicklung, dass Blinde und Sehbehinderte das (Job wechseln) jetzt auch können. Sie können jetzt auch studieren. Natürlich ist es noch immer mühsam, als Vollblinder ein Studium als Erster auf einer Uni zu absolvieren. Da ist man auch eine Jeanne d’Arc, die sich erst einmal viel erkämpfen muss. Aber es gibt (mittlerweile) auch viele Angebote, die man nutzen kann.

Da hat sich ja in den letzen Jahren auch viel auf der Uni in diesem Sektor viel getan …

Da gibt es zum Beispiel die Dienstleistung der persönlichen Assistenz, die körperbehinderte oder auch sinnesbehinderte Menschen unterstützt, aber eben nicht bevormundet. Das heisst, der Blinde ist der Chef und sagt, wo er Unterstützung braucht.

Unsere Erfahrung ist auch – und das habe ich in den letzen 15 Jahren beobachten können – dass der Arbeitsmarkt und Arbeitnehmer flexibler geworden sind, und damit auch Blinde und Sehbehinderte das machen können. Also genauso selbstbestimmt sagen zu können: „die Arbeit hat mir gut gefallen, aber jetzt mag ich mir was anderes suchen. Ich muss nicht bis 60-65 im selben Job sein, sondern kann nebenbei studieren, oder einen anderen Job/Arbeitsbereich haben.“ Das ist mittlerweile möglich, wenn man dementsprechend selbstbewusst und selbständig ist. Das ist natürlich die Voraussetzung!


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Eigeninitiative

Da heisst aber auch, dass sie Menschen nicht bei der Hand nehmen und alles für sie regeln und richten damit das hinhaut, sondern eben unterstützen, wo es nötig ist?

Da gilt auch das Prinzip trial and error, wo man Sachen eben auch ausprobieren muss. Nicht wie in der Schule, wo Lehrer oft sagen, probiere es nicht aus, weil das geht nicht! Das ist kontraproduktiv bis zum geht-nicht-mehr: Wie soll man was lernen, wenn man nicht auch auf die Nase fällt. Ich glaube, man lernt nur indem man auch Misserfolge hat. Wenn man Menschen diese Erfolge nicht gönnt, können sie sich auch nicht weiterentwickeln. Bei Erwachsenen in der Beratung sage ich schon einmal: „Halte ich nicht für zielführend, oder können sie ausprobieren, aber unsere Erfahrung ist, dass das nicht funktionieren wird. Aber probieren Sie’s aus und belehren Sie mich gerne eines Besseren!“

Worum geht es beim Jugendcoaching?

Da holen wir schon die Schülerinnen und Schüler ab, um sie zu unterstützen. Wir zeigen ihnen da, welche Ausbildungsmöglichkeiten und Schulen es gibt, und unterstützen sie auch im Kontext ihrer Augenerkrankung.

Wenn eine progressive Augenerkrankung vorliegt – es gibt sehr viele juvenile Augenerkrankungen. Da hat man mit 14-15 Jahren noch ein recht gutes Sehvermögen. Das verschlechtert sich dann aber später und kann sogar zur Erblindung führen – ist es kontra-produktiv einen Lehrberuf, wie Maler und Anstreicher, zu erlernen, da der/die Behinderte diesen Beruf mit 18-19 Jahren wahrscheinlich nicht mehr ausüben wird können.

Unsere Aufgabe ist es auch darauf hinzuweisen, dass eine Lehre zu machen vielleicht momentan für die persönliche Entwicklung gut ist, aber später noch eine Zusatzausbildung dazu gemacht werden muss.

Wir haben auch die Möglichkeit der Low-Vision-Abklärung. So heisst die Abklärung des funktionalen Sehens. Dabei wird bestimmt was und wie der Betroffene sieht oder besser sehen kann: Man muss nicht immer Sachen vergrößern, damit sie besser lesbar sind. Das kann bei manchen Augenerkrankungen auch kontra-produktiv sein. Oft hilft es, Kontraste anders darzustellen, anders zu beleuchten, oder überhaupt eine andere Darstellung zu wählen. Solche Dinge klären wir auch speziell für einen Job ab.

Grad der Behinderung (GdB) erklärt

Ist der Grad der Behinderung (GdB) eine Voraussetzung, um die berufliche Assistenz in Anspruch nehmen zu können?

Ja. Da wir vom Sozialministeriumservice (fremd-)finanziert sind, gibt es auch Einstiegs-Voraussetzungen. So muss der Grad der Behinderung bei 30% vorliegen, um uns in Anspruch nehmen zu können. Beratungen machen wir aber auch vorher schon.

Was wären vorstellbare GdBs?

Auf einem Auge blind bedeutet 30% GdB. Auf einem Auge Prothese bedeutet 40% GdB, wenn man am anderen Auge mit optischen Korrekturen normal sieht. Das ist aber nicht unsere Klientel.

Wenn wir sehen, dass die Krankheit progressiv ist, können wir sofort betreuen. Diesem Menschen Unterstützung zu geben und ihn auch zu begleiten. Da können wir auch früh ansetzen. Bei Jugendlichen zum Beispiel.

GdB ist da ein bisschen Irreführend: Denn GdB bedeutet nicht Grad der Erwerbsminderung! Mit 100% GdB kann der Mitarbeiter vielleicht seinen Job zu 100% ausüben. Das wird oft missverstanden. Für viele Arbeitgeber bedeutet 100% GdB liegt im Bett und ist für „nichts zu gebrauchen“.

Das man z.B. als Masseur mit 100% GdB überhaupt keine Minderleistung hat, ist da wieder eine andere Sache.

Um eine bessere Vorstellung zu bekommen: Was wäre zum Beispiel 100% GdB?

Das wäre ein Visus von 0,o2% oder geringer. Das ist von Gesetzes wegen her „blind“. Dafür werden sowohl Visus als auch Gesichtsfeldeinschränkung herangezogen.

Absurder Weise kann man bei Gesichtsfeldeinschränkung (Retinitis Pigmentosa), vom Gesetz her vollblind sein, dabei aber zentral noch gut sehen und sehr wohl eine Zeitung lesen. Das ist dann verwirrend, wenn ich dem Arbeitgeber sage, „Ihr neuer Mitarbeiter hat 100% GdB“, der dann aber die Zeitung nimmt und liest, mich aber gleichzeitig nicht sieht. (oben unten links rechts von der Zeitung) Das ist dann erklärungsbedürftig.

Deswegen verwenden wir auch die Simulationsbrillen, um zu zeigen, was das für den Betroffenen bedeutet, eine Sehbehinderung zu haben. Nicht nur um Verständnis zu bekommen, sondern auch um Information zu geben.

Solche Informationen sind auch bei kleinen ganz alltäglichen Dingen des Berufsalltags wichtig. Ich lege dem Kollegen einen Zettel nicht auf den Schreibtisch, sondern auf die Tastatur, damit er weiß „aha, jetzt hab ich was bekommen“. Das erfordert natürlich Dialog und Kommunikation. Auch die Rückmeldung des Behinderten: „Wenn du mir das da hinlegst, werde ich es nicht sehen/merken und darauf vergessen.“ Es ist wichtig, Dinge zu kommunizieren!

Teil 2 des spannenden Interviews finden Sie hier!

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