Der unbezahlbare Wert, konfliktfähige Mitarbeiter, Kollegen oder Chefs zu haben

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Eine Geschichte – erlebt und erzählt von Maria Hinterauer, Mediatorin und Intuitionstrainerin.

Ich mache mit einer Mediationskollegin nach einem erfolgreichen Vormittag Mittagspause. Wir lassen Revue passieren, was wir am Vormittag bereits erreicht haben und planen, was für den Nachmittag noch auf dem Programm steht. Danach wird unsere Konversation etwas privater. Wir unterhalten uns über ein Thema, das mich persönlich beschäftigt – meine Kollegin erlebt gerade eine ähnliche Situation und wir tauschen uns darüber aus.

Plötzlich ist die Stimmung angespannt und ich höre mich sagen „Okay, lass uns weitermachen“. Dann mache mich rasch auf den Weg, um mir noch eine Tasse Tee zu holen.

Ich gehe davon aus, dass auch Sie ähnliche plötzliche Stimmungsveränderungen aus Ihrem Arbeitsalltag kennen. Genau dies sind die Momente, bei denen Sie als Führungskraft besonders aufmerksam werden sollten.

Ich weiß aus Erfahrung, wie wertvoll es ist, genau dort achtsam zu sein und beobachte in der vorhin beschriebenen Situation aus der Meta-Perspektive, was weiter geschieht. Ich sehe meiner Kollegin und mir beobachtend – quasi „von oben“ – zu und gehe in den Selbstklärungsprozess.

Was ist gerade passiert?

Es dauert nicht lange, bis es mir klar ist: Meine Kollegin hat mir in unserem „halb-privaten“ Gespräch in bester Absicht Ratschläge gegeben… und damit bei mir einen wunden Punkt getroffen. Von diesem Punkt konnte sie nichts wissen und ich vermutete stark, dass es sich um ein Missverständnis handelt – dennoch weiß ich, dass genau solche Missverständnisse sich unmittelbar auf die Qualität der Arbeit auswirken. Unmittelbar schützt sich der „Getroffene“ und die Kreativität und Schaffenskraft ist blockiert.

Völlig gleichgültig, wie professionell die Beteiligten sind – qualitativ hochwertige Arbeit bedingt Klarheit zwischen den Menschen, die miteinander arbeiten.

Meine Kollegin und ich haben ein wichtiges Meeting vor uns und es ist enorm wichtig, dass wir als Team gut zusammenarbeiten. Die Zeit ist knapp und der Terminplan eng. Sorgfältig wäge ich in meinem internen Prozess meine Handlungsmöglichkeiten ab.

Variante 1: „Professionell“ weitermachen und so tun, als sei alles in Ordnung – in der Hoffnung, dass sich das Missverständnis von selbst klärt und nicht auf die Qualität der gemeinsamen Arbeit auswirkt.

Variante 2: Ansprechen und wertvolle und knapp bemessene Zeit für diese Klärung verwenden.

Da ich ein Fan von Kohärenz in Wort und Tat bin, wenig davon halte, Wasser zu predigen und Wein zu trinken und außerdem in diesem Fall die hohe Qualität unserer gemeinsamen Arbeit von enormer Bedeutung ist, entscheide ich mich für Variante 2.

Mit meiner Tasse Tee in der Hand gehe ich also auf meine Kollegin zu und bitte sie um ein Klärungsgespräch. Sie ist dazu bereit und schon 15 Minuten später ist die Beziehung wieder klar, die Stimmung entspannt und die Motivation höher als zuvor. Wir haben außerdem beide an Bewusstheit und Klarheit gewonnen. Voller Schaffenslust arbeiten wir zielstrebig und hochwertig an unserem gemeinsamen Auftrag weiter.

Und wir dürfen auch die Früchte ernten – die Qualität der Arbeit ist viel besser, als es unser Auftraggeber erwartet hat. Wir haben allen Grund, zu feiern!

Diese Situation ist wieder ein lebendiger Beweis: Die Gefühls- und die Geschäftswelt lassen sich nicht strikt trennen – ganz egal, wie professionell wir sind.

Mein Appell an Sie als Führungsperson: Haben Sie den Mut, aufkommende Konflikte möglichst früh anzusprechen und sorgen Sie so ganz smart für hochwertigere Ergebnisse!

Mit der Innerbetrieblichen-Mediation können Sie sich die Unterstützung holen, die sie brauchen, um ähnliche Spannungen in Ihrem Unternehmen ebenso leicht zu lösen, wie es mir und meiner Kollegin gelungen ist.

Aber Achtung! Schenken Sie Ihren Mitarbeitern keine „Empathie aus der Hölle“ – damit machen sie alles nur schlimmer. Da ist es tatsächlich immer noch besser, Sie entscheiden sich für Variante 1: „professionell“ weitermachen. Dazu aber beim nächsten Mal mehr…

Herzlich, erfolgreich und liebevoll, Ihre Maria Hinterauer Mediatorin und Intuitionstrainerin


Beitragsbild: Solis Images / Shutterstock

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