Bürogemeinschaft: Wie Konflikte ansprechen?

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Johannes Priebsch

Johannes Priebsch

Mediator & Partner bei geschlichtet!
Mediator in Wien. Schwerpunkte Behindertengleichstellung, Start-Ups und Wirtschaftsmediation. Auf Deutsch, Italienisch und Englisch.
Johannes Priebsch

Erfahren Sie von einem Profi wie Sie Konflikte in Ihrer Bürogemeinschaft ansprechen und lösen können. Stehen Sie kurz davor in ein anderes Büro zu wechseln, weil Sie genug von den Konflikten und der Atmosphäre dort haben? Warten Sie noch, denn mit 3 wertvollen Tipps vom Profi lernen Sie, wie Sie Konflikte zum Thema machen und die Krise entschärfen. Ist der erste Konflikt einmal gelöst, wird Ihr Büro schon schnell wieder zur Wohlfühlzone. Ersparen Sie sich die zeitaufwändige Suche und den mühsamen Umzug in eine neue Bürogemeinschaft.

Jungunternehmer können sich oft zu Beginn ihrer Tätigkeit weder eigenes Büro noch eigene Praxis leisten. Da bietet es sich an eine Büro- oder Praxisgemeinschaft einzugehen und damit Kosten zu sparen. Gerade die Dauerausgaben tun am Anfang weh und man weiß ja nicht, wie lange es bis zum ersten großen Auftrag, der wieder Geld in die Kassen spült, dauern wird. Und Steuer und SVA kann man sich schwer sparen. Da ist die Bürogemeinschaft eine gute Idee, da sie mit fixem Schreibtisch und Arbeitsplatz doch noch persönlicher ist, als so mancher Co-Working-Space.

Interessen in der Bürogemeinschaft

Natürlich gibt es, wo mehrere Menschen im gleichen begrenzten Raum arbeiten, viele unterschiedliche Interessen, die man erstmal unter einen Hut bringen muss. Wer um wieviel Uhr ins Büro kommt oder dieses wieder mehr oder weniger raumeinnehmend verlässt. Wie laut die Musik sein kann, damit die Umgebung trotz Kopfhörern nicht mitbeschallt wird und wer zu welcher Uhrzeit ein Video aufnimmt, ohne dass er dabei pausenlos gestört wird. (Thema: Hintergrundgeräusch) Wer das Papier und den Toner im Kopierer wechselt und wer, wann, wie geruchsbelästigend in der Gemeinschaftküche kochen darf. Wer räumt das Kaffeegeschirr in den Geschirrspüler und wer fühlt sich durch dessen Betriebsgeräusche wiederum gestört. Alle haben Rechte und Pflichten und jeder möchte möglichst ungestört seiner Arbeit nachgehen können.

Konfliktpotential

All diese gemeinsamen Anknüpfungspunkte bieten Potential für kleinere und größere Konflikte in der
Bürogemeinschaft. Während die erste und zweite Störung noch egal sind, beginnt es ab der Dritten und Vierten ärgerlich zu werden. Auch wenn sich die Bürokollegin immer artig entschuldigt und der Bürokollege „eigentlich eh sehr nett“ ist, geht die Laune, sobald einer der Beiden reinkommt in den Keller.

Nach dem x. Mal sprechen Sie das Thema, wenn auch schon mit einer ziemlichen Wut im Bauch, endlich an und weisen die anderen darauf hin, die Störung in Zukunft zu unterlassen. Ihre Wut im Bauch konnten Sie aber nicht mehr ganz zurückhalten. Das haben die Angesprochenen auch bemerkt und sind nun auch verärgert.

Stress und Ablenkung

Die Kommunikation im Büro reduziert sich dann auf ein Minimum – „Guten Morgen!“ Bürogemeinschaft kalter Konfliktist gerade noch drin. Eine gespannte Atmosphäre macht sich breit. Und plötzlich sind Sie täglich einer unangenehmen Situation ausgesetzt. Das verursacht Stress. Sie werden pausenlos von Ihrer wirklichen Arbeit abgelenkt und denken unterbewusst Stunden um Stunden darüber nach, wie Sie das Thema denn doch noch einmal ansprechen könnten oder wie Sie aus dieser mißlichen Lage kommen könnten. Auch Verdrängung funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad. Gerade bei Lärmbelästigung oder Schmutz hört sich das darüber-hinwegsehen schnell einmal auf. Was können Sie tun?

Umzug oder …

Meistens läuft die Überlegung auf zwei Möglichkeiten raus: Sie sprechen das Thema – dieses Mal in Ruhe – an oder Sie ziehen in ein anderes Büro. Der Umzug in ein neues Büro ist wieder ein riesiger Aufwand und die jetzige Bürogemeinschaft hatten Sie ja nicht um sonst gewählt: Lage, Ausstattung und einige Bürokollegen sind Ihnen bereits ans Herz gewachsen. Des Weiteren haben Sie natürlich eine Kündigungsfrist von mehreren Monaten und können nicht so mir nichts dir nichts Ihre Zelte hier abbauen und woanders wieder aufschlagen.

Und ganz ehrlich, die Wahrscheinlichkeit, dass es auch im nächsten Büro oder in der nächsten Praxis jemanden gibt, dessen Verhalten Sie stört, ist groß. Das heißt nicht unbedingt, dass Sie übersensibel sind oder immer an allem etwas auszusetzen haben. Viel mehr ist es ganz normal, dass sich Menschen, die unter einem Dach wohnen – oder in Ihrem Fall arbeiten – sich miteinander auseinandersetzen müssen, damit alle auf ihre Kosten kommen. Da gilt es Konflikte früh anzusprechen und Vereinbarungen zu finden, wie man miteinander umgehen will.

… Konflikt lösen

Damit sind wir bei der zweiten Möglichkeit: Das Thema ansprechen. Es gibt Menschen, denen das leichter von der Hand geht, und Andere die länger damit hadern. Manche haben einfach eine höhere Toleranzgrenze und wieder Andere gehen Meinungsverschiedenheiten überhaupt lieber aus dem Weg: „Bloß keine Eskalation!“

Doch welcher Typ sind Sie? Denn es geht ja genau um Sie und Ihre Zufriedenheit am Arbeitsplatz, also in Ihrer Bürogemeinschaft oder Ihrer Gemeinschaftspraxis. Wie möchten Sie den entstandenen Konflikt lösen?

 

Konflikte ansprechen

Sie haben sich also entschieden, den Konflikt in aller Ruhe noch einmal anzusprechen. Was gibt es da zu bedenken? Wie gehen Sie dabei am Besten vor, damit das Thema klar am Tisch liegt und trotzdem keiner der Beteiligten verärgert ist? Ich möchte Ihnen dafür 3 Tipps, an denen Sie sich festhalten können, mitgeben: Offenheit, Wertschätzung und konkrete Aussagen. Was hinter diesen Begriffen steht, ist folgend kurz erklärt. Um weiter zu lesen, einfach mit Freunden teilen, die dieses Problem auch kennen.

Bürogemeinschaft Konflikte ansprechen

 

3 wertvolle Tipps

Wertschätzung

Man kann jeden Sachverhalt mehr oder weniger verletzend präsentieren. Das hängt mitunter davon ab, ob die andere Person durch Ihre Aussage das Gesicht verliert. Niemand steht gerne vor allen Anderen blöd da. Wählen Sie also einen geeigneten Rahmen, in dem Sie beide geschützt sind. Doch zurück zur Wertschätzung. Sagen Sie der anderen Person, was Sie an ihr mögen, und warum es Ihnen wichtig ist, das Thema zu klären. Kritisieren Sie die Andere nicht für ihr Verhalten, sondern sagen Sie ihr, was Sie fühlen, wenn die andere Person das sagt oder macht.

Offenheit

Begegnen Sie den anderen Konfliktpartnern mit der Offenheit, die Sie sich von Ihnen wünschen. Legen Sie dar, wie Sie die Situation erleben und was daran für Sie unangenehm ist. Geben Sie dann den anderen die Möglichkeit auch ihre Intention darzulegen. Passen Sie dabei auf, dass Sie Ihren Ärger nicht auf die Tätigkeit der Anderen projizieren, sondern herausfinden, warum es Sie ärgert, was sie tut und das auch artikulieren.

Beachten Sie: Die Anderen tun das ja nicht in erster Linie um Sie zu ärgern, sondern tun das, weil Sie das immer tun, weil es für sie normal ist, oder weil sie etwas davon haben.

Konkrete Aussagen

Helfen Sie der anderen Person, das Problem das Sie haben, zu verstehen, ohne Ihre Argumentation mit All-aussagen, „immer“ und „nur“ zu untermauern. Das bringt die andere Person höchstens in Bedrängnis! Bleiben Sie konkret. Bringen Sie Beispiele und sagen Sie, ob Sie etwas 1x, 5x oder 10x am Tag stört, in welchem Zeitraum und in welcher Intensität. Dadurch kann sich die andere Person etwas vorstellen und bekommt einen Freiraum in dem sie agieren kann, ohne zu stören. Erlauben Sie dem Anderen nachzufragen, wenn er es noch nicht nachvollziehen kann.

Übung macht den Meister

Natürlich braucht auch das Ansprechen von Konflikten eine gewisse Übung. Wie schon oben beschrieben, tun sich dabei manche leichter und manche schwerer. Manche müssen mehr üben, andere haben es schon im Blut. Dabei kann es natürlich passieren, dass der Konflikt erst recht eskaliert.

Doch das Risiko müssen Sie eingehen: Sprechen Sie den Konflikt nämlich nicht an, steht früher oder später der sprichwörtlich rosarote Elefant lachend im Gemeinschaftsbüro und verbreitet Stress, Unproduktivität und die berühmte schlechte Stimmung.

Bei Eskalation – Einigung ist möglich!!

Eskaliert die Aussprache, obwohl Sie die 3 Punkte beachtet haben? – Weil ja, dasBürogemeinschaft Einigung ist möglich kann natürlich immer passieren, da Sie ja noch üben. – Rufen Sie mich als Mediator. Ich werde auch den eskalierten Konflikt einer Lösung zuführen.

Haben Sie von Anfang an ein schlechtes Gefühl dabei, den Konflikt alleine anzusprechen? Dann rufen Sie mich schon zur Aussprache und sparen Sie sich einen großen Teil der Zeit, Kosten und natürlich Ihrer Nerven!!

Rufen Sie gleich an und vereinbaren Sie einen Termin mit mir.

 

Fotos: Shutterstock / dotshock; Shutterstock / Antonio Guillem

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